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EKF_2012

109 H A N D W E R K i n M e c k e n h e i m Handwerk ist „Vertrauenssache“... und undurchschaubarer. Die Zahl derer, die die Naivität der Käufer und das im Rückzug befindliche gesunde Misstrauen gegen An- gebote, die keiner wirklich braucht oder die ganz offensichtlich unseriös sind, schamlos ausnutzen, steigt proportional dazu. Erstaunt bin ich bei diesen Journalisten- gesprächen mit zumeist sehr jungen Be- rufseinsteigern, aber auch bei Gesprächen mit anderen Bürgern immer wieder darüber, wie rudimentär die Kenntnisse über die ge- samte Branche Handwerk mit ca. 130 Beru- fen, fast 5 Millionen Beschäftigen in knapp 1 Million Betrieben sind, in denen etwa 30 Prozent aller Berufsausbildungen stattfinden. Dabei würden unsere gesamte Gesellschaft und das Wirtschaftsgefüge im Lande ohne diese Branche zusammenbrechen. Es gäbe kein Brot und kein Fleisch, keinen Strom und keine Heizungen, keine Häuser und Straßen, keine Autos und auch sonst keine Mobilität. Alles in allem wären wir ziemlich aufge- schmissen. Geld alleine, Verwaltung, Wis- senschaft oder Export-Rekorde können das nämlich alles nicht ersetzen. Genau dieser Zusammenbruch passiert aber nicht, ganz im Gegenteil, wir sind eine prosperierende Volkswirtschaft, der Motor Europas. Den meisten Menschen geht es ziemlich gut und wir laufen auch nicht Gefahr, dass uns der Himmel auf den Kopf fällt. Wo also liegen die Ursachen für das zitierte, fest in den Köpfen vieler Menschen verwurzelte Klischee des unzuverlässigen und teuren Handwerkers? Wie immer im Leben, ist die Antwort kom- plex und nicht mit einem Satz zu geben. Eine wichtige Ursache dürfte sein, dass das Handwerk an “unspektakulärer Selbstver- ständlichkeit“ leidet. Es ist einfach da, es ist völlig normal, dass wir Auto fahren, dass Strom aus der Steckdose kommt, dass wir im Winter nicht frieren, dass unsere Häuser nicht bei jedem kleinen Sturm vom Win- de verweht werden, dass die Auslagen bei den Bäckern und Fleischern keine Wünsche offen lassen und so weiter und so fort. Die eben bereits zitierten Gespräche über das Handwerk lassen aber auch den Schluss zu, dass durch die Bildungs-Hochkonjunktur der vergangenen Jahrzehnte verbunden mit dem Run auf akademische Ausbildungen viele Basis-Kenntnisse über die elementaren Grundfesten unserer Volkswirtschaft verlo- ren gegangen sind. Ein weiterer Grund ist, dass es, wie in je- der Branche und überall im Leben, “schwar- ze Schafe“ gibt. Schlecht oder gar nicht ausgebildet ziehen sie wie Heuschrecken durchs Land, hinterlassen schlechte, unfer- tige Arbeit, unzufriedene und verunsicherte Kunden. Der angerichtete Schaden und die Berichte darüber multiplizieren sich 50 Mal häufiger als ordnungsgemäße Leistungen. Da diese Fälle zumeist im unmittelbaren häuslichen Umfeld geschehen, werden sie von den Geschädigten sehr direkt wahrge- nommen und entsprechend kommuniziert. In meiner Funktion als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger bin ich häufig mit diesen Schäden konfrontiert und meine Erfahrung ist, dass es sehr selten Meisterbe- triebe sind, die den Pfusch anrichten. “Superminister“ Wolfgang Clement mein- te im Jahre 2004 die Handwerksordnung re- formieren und die Pflicht zur Meisterprüfung in Teilbereichen des Handwerks aufzuheben zu müssen. Die Folge war, dass sich eine ganze Reihe von Leuten im Handwerk selbst- ständig gemacht hat, denen dazu die fach- liche und die charakterliche Eignung fehlte. Der Wildwuchs begann und nimmt bis heute seinen Lauf. Früher hatte der Kunde bei der Beauftra- gung eines Handwerkers die relativ große Gewissheit, dass dieser qua Meister-Quali- E-mail: weiler.bau@t-online.de · Internet: www.weiler-bauunternehmung.de Industriestraße 38 Ohlengäßchen 10 53359 Rheinbach 53340 Meckenheim Telefon 022 26/808504 Telefon 0 22 25/91 21 71 Telefax 022 26/808505 Telefax 0 22 25/91 21 72 Mobil 0172/2 5962 76 200x50_HWD_PKWKleber.indd 1 28.12.2009 14:40:47 Uhr