Meckenheim (abk). No
Outlet! Wir wollen Zukunft.
Wir wollen Vielfalt in Meckenheim.
.
Plakate mit dieser
Aufschrift an den Wänden der
Meckenheimer Schützenhalle
stellten bei der Informationsveranstaltung
für Mitglieder
und geladene Gäste klar die
Position des Meckenheimer
Verbund e.V. dar zum hinter
der Landesgrenze zu Rheinland-
Pfalz in der Grafschaft geplanten
Factory Outlet Center
(FOC). Sven G. Goebel, Vorsitzender
des Gewerbevereins,
begrüßte unter den mehr als
100 Anwesenden besonders
den Meckenheimer Bürgermeister
Bert Spilles, seinen
Rheinbacher Amtskollegen
und gleichzeitig Sprecher der
Bürgermeister im Rhein-Sieg-
Kreis Stefan Raetz, Annette
Hübschen vom Stadtmarketing
Zweibrücken, Meckenheims
Wirtschaftsförderer Michael
Bison sowie den Kreishandwerksmeister
und stellertretenden
Vorsitzenden des
Verbundes Thomas Radermacher,
die später mit ihm am Podium
Platz nahmen und Fragen
der Teilnehmer beantworteten.
Unter den Zuhörern im Saal
weilten auch Landtagsabgeordnete
Ilka von Boeselager,
Kreiswirtschaftsförderer Dr.
Hermann Tengler, der Geschäftsführer
des Einzelhandelsverbands
Bonn/Rhein-
Sieg/Euskirchen Uwe Stephan,
Vertreter der IHK und Gäste
aus den Kommunen Swisttal,
Wachtberg, Grafschaft und
Bad Neuenahr-Ahrweiler.
.
Zum Auftakt informierten Wirtschaftsförderer Michael Bison
und Kreishandwerksmeister
Thomas Radermacher gemeinsam
über die Planungen.
Nur zwölf Autominuten von
Meckenheim entfernt direkt
vor unserer Haustür im Innovationspark
Rheinland bei Ringen
sollen auf zunächst 13.000
Quadratmeter Verkaufsfläche,
später auf 26.000 Quadratmetern
im geplanten Eifel-Ahr-
Portal Outlet-Ware, aber auch
Gastronomiedienstleistungen
angeboten werden. Die unschlagbar
niedrigen Grundstückspreise
dort resultierten
aus der Förderung, die mit
Mitteln des Bonn-Berlin-Ausgleichs
eigentlich die Region
stärken soll. Zielgruppe des
FOC seien Kunden aus Bonn,
Köln oder Düsseldorf. Ihnen
werde mit ansprechenden Fassaden
eine Innenstadtkulisse
vorgegaukelt. Fünf Prozent
Umsatzeinbußen habe sogar
das vom Investor beauftragte
Marktforschungsinstitut für
Rheinbach prognostiziert. Eindringlich
malten die beiden
Referenten das Bild einer Abwärtsspirale,
die dem Einzelhandel
Meckenheims und der
Nachbarkommunen drohe, per
Powerpoint-Präsentation an
die Wand: Umsatzeinbußen,
Geschäftsaufgaben, Auswirkungen
auch auf die Gastronomie
und das Handwerk vor
Ort. Schließlich werde die Innenstadt
an Attraktivität verlieren,
es gebe weniger Ausbildungs-
und Arbeitsplätze.
Nachteile entstünden vor allem
für Senioren und Bevölkerungsgruppen,
die weniger
mobil sind als andere. Es werde
immer schwerer, neue Geschäfte
zu etablieren und eine
Nahversorgung sicherzustellen.
Die sinkende Gewerbesteuer
habe schließlich auch
Folgen für den Stadthaushalt –
freiwillige Leistungen für Kultur,
Freizeit und Sport könnten
wegfallen.
Über die Erfahrungen der
Stadt Zweibrücken mit dem
dortigen FOC berichtete Stadtmarketing-
Managerin Annette
Hübschen. Die Fußgängerzone
der Innenstadt beklage zurzeit
keine Leerstände, jedoch
falle es schwer, anspruchsvolle
Bereiche anzusiedeln. Alles,
was das Outlet-Center biete,
würde aus dem Innenstadt-
Sortiment verschwinden. Besonders
inhabergeführte Geschäfte
wären von Schließungen
betroffen. Gerade diese
seien aber nach ihrer Beobachtung
der Schatz der Stadt Meckenheim,
den man schützen
müsse. Ein Kompliment machte
Hübschen der Parkplatzsituation
in der Rosenstadt: Ich
habe noch nie eine bessere gesehen!
Als Anachronismus bezeichnete
Kreiswirtschaftsförderer
Tengler das Outlet-Center auf
der grünen Wiese. Zunehmend
sei es wichtig, die Innenstädte
zu stärken. Alle 19 Städte und
Gemeinden im Kreis und auch
der Rhein-Sieg-Kreis seien
sich einig in ihrer Haltung gegen
das geplante FOC, so Bürgermeister
Stefan Raetz. Letztendlich
sei es eine politische
Entscheidung, ob das Vorhaben
vom der rheinland-pfälzischen
Landesregierung genehmigt
werde: Wir müssen aufpassen,
jetzt schon unsere
Stimme deutlich erheben und
aufklären, so die vorgeschlagene
Strategie. Andererseits
müssten die Kommunen aber
auch überlegen, wie sie ihre
Innenstädte beleben könnten,
betonte Raetz.
.
Ein Kompliment für die offen
geführte Diskussion in Meckenheim
machte der Bürgermeisterkandidat
aus Bad Neuenahr-
Ahrweiler, Rainer Jakobs.
Für die Super-Veranstaltung
dankte Bürgermeister
Bert Spilles dem Meckenheimer
Verbund.
Mit der Kamera dabei war
auch ein Team des SWR-Fernsehens.
Im Beitrag, der am vergangenen
Donnerstag im Rahmen
der Sendung LÄNDERSACHE
gesendet wurde, kam
auch der rheinland-pfälzische
Innenminister Karl Peter
Bruch zu Wort. Er werde keine
weiteren FOC im ländlichen
Raum mehr zulassen, versprach
da der Politiker. Hält er
sein Wort, bleibt denen, die
das Factory-Outlet-Center realisieren
wollen, nur noch der
Klageweg.
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von Anita Borhau-Karsten, BLICKPUNKT |